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Die zehn goldenen Regeln für gutes Schreiben gibt es nicht

mit 3 Kommentaren

Kaum eine Frage zum Thema Schreiben lässt sich mit einem einzigen kernigen Satz beantworten. Denn Schreiben und Sprache sind eine sehr komplexe Angelegenheit. Das ist schlecht für alle, die über das Schreiben schreiben und dabei mit Patentrezepten à la Die zehn goldenen Regeln glänzen wollen. Manche Ratgeber neigen dennoch dazu, die Dinge zu vereinfachen und in griffige Formeln zu verpacken. Das Ergebnis ist dann oft ernüchternd und leider nicht selten auch falsch. Ganz abgesehen davon, dass einige Ratschläge für die praktische Anwendung nichts taugen. Stellvertretend für falsche Aussagen, die über Texte, Stil, Grammatik oder Rechtschreibung verbreitet werden, hier unser Lieblingsbeispiel: Ein Satz mit neun Wörtern gilt bereits als schwer verständlich. Dass wir nicht verstehen, wie der Autor zu dieser Aussage gekommen ist, könnte natürlich daran liegen, dass sein Tipp zehn Wörter umfasst. Wahrscheinlich ist er jedoch einem Irrtum aufgesessen. Zum einen kommen verschiedene Studien im Gegensatz zu seiner Aussage zu dem Ergebnis, dass die optimale Verständlichkeit bei maximal neun Wörtern pro Satz liegt. Insofern ist seine Aussage völlig falsch, denn richtig wäre: Ein Satz mit neun Wörtern ist optimal verständlich. Zum anderen heißt auch das noch lange nicht, dass Sätze mit zehn, elf oder zwölf Wörter allein aufgrund ihrer Länge schwer verständlich sind; sie haben allenfalls nicht die optimale Verständlichkeit, können dafür durchaus immer noch leicht verständlich sein. – So wie in diesem Beispiel ergeht es leider vielen „goldenen Regeln des Schreibens“. Auf den ersten Blick klingen sie gut, auf den zweiten Blick zeigt sich, dass sie unsinnig oder unpraktikabel sind.

Für Laien ist allerdings oft nicht eindeutig erkennbar, ob ein Autor oder Berater wirklich qualifiziert ist und ob seine Ratschläge sinnvoll sind oder nicht. Ein selbstbewusstes und/oder unterhaltsames Auftreten, häufiges Zitiertwerden oder das nachdrückliche Postulieren von „goldenen Regeln“ sind nämlich leider keine Indizien für echtes Fachwissen und echte Praxiserfahrungen.

Bleiben Sie daher aufmerksam. Lassen Sie sich nicht blenden von markigen Formulierungen in der Art von So schreiben Sie immer richtig oder Die ultimativen Rezepte für professionelle Texte. Bleiben Sie vorsichtig, wenn Ihnen das Blaue vom Himmel versprochen wird. Wenn es überhaupt eine goldene Regel zum Thema gibt, dann die: Je einfacher ein Schreibtipp klingt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Sache einen Haken hat.

Geschrieben von Infotext

9. Mai 2011 um 14:33

3 Antworten

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  1. Ich haette Lust automatisch ab jetzt auf dem laufenden zu bleiben, aber wo finde ich den RSS Link ?

    Hier

    18. Juni 2011 um 00:42

  2. Der Gefaellt mir Button wuerde sich gut im Blog machen, oder habe ich ihn uebersehen?

    Mika

    12. Mai 2011 um 12:43

    • Danke für den Hinweis! Das haben wir in der Tat ein bisschen verschwitzt. Ist in Arbeit …

      Infotext

      12. Mai 2011 um 15:22


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