Der Amazon-Verkaufsrang – ein Mysterium
Da wir regelmäßig an Publikationen beteiligt sind, wollen wir natürlich auch wissen, wie es mit den Verkaufszahlen aussieht. Also werfen wir regelmäßig einen Blick auf die Amazon-Verkaufsränge der entsprechenden Publikationen und fragen uns dabei, wie diese Rangliste wohl errechnet wird und was genau sie bedeutet. Auf den Seiten von Amazon selbst heißt es dazu: „Je höher die Anzahl der verkauften Exemplare, desto höher rückt der Titel in unserem Verkaufsrang. Die jeweilige Platzierung ist vor dem Hintergrund unseres gesamten Katalogumfangs zu sehen. Der Amazon.de-Verkaufsrang wird regelmäßig aktualisiert. Die Rangzahlen 1 bis 10.000 werden jede Stunde neu ermittelt und spiegeln die Verkäufe der vergangenen 24 Stunden wider. Eine Aktualisierung der Verkaufsränge 10.001 bis 100.000 findet täglich statt, die der restlichen Plätze einmal im Monat.“ – Das sind zwar interessante Informationen, nur geht daraus nicht hervor, wie ein Verkaufsrang denn nun genau errechnet wird.
Etwas versteckt unter „amazon AuthorCentral“ gibt es dann noch zusätzliche Informationen. Hier heißt es: „Der Verkaufsrang zeigt, wie gut Bücher im Katalog sich im Vergleich zu anderen Büchern verkaufen. Verkaufsrang ist eine verhältnismäßige Messung. Ihre Bücher werden in Beziehung zu allen Büchern unserer Webseite eingestuft.“ Zusätzlich wird auf einige Eigenarten hingewiesen. Zum Beispiel darauf, dass sich der Verkaufsrang um beispielsweise 20.000 Plätze verändern kann, obwohl keine einzige Ausgabe des Buches verkauft wurde. Wie kann das passieren? „Der Rang Ihres Buches kann und wird steigen und fallen, auch wenn dessen Verkauf gleich bleibt. Eine Veränderung des Verkaufsranges wird nicht nur von Ihren eigenen Verkaufszahlen beeinflusst, sondern ist auch davon abhängig wie sich andere Bücher verkaufen. Verkaufen sich Bücher, die erst einen höheren Rang hatten, weniger stark als Ihres, kann sich der Verkaufsrang trotz durchschnittlicher Verkaufszahlen erhöhen. Genauso kann auch der Rang sinken, wenn sich andere Bücher plötzlich besser verkaufen.“
Über den tatsächlichen Algorithmus zur Berechnung des Rankings sagt das alles noch immer fast nichts aus. Deshalb wird im Internet viel spekuliert – insbesondere von den Betroffenen selbst: den Autoren. Schließlich haben diese ihre Bücher genau im Blick und freuen sich am meisten über einen guten Verkaufsrang. Nur ist die Aussagekraft des Amazon-Verkaufsranges, was die Zahl der tatsächlich verkauften Bücher angeht, überaus gering. Sie spiegeln lediglich den aktuellen (!) Verkaufstrend bei Amazon wider. So kann ein Buch, das bisher 10.000-mal verkauft wurde, einen niederen Rang haben, als ein anderes Buch, das bisher nur 1.000-mal verkauft wurde – nämlich dann, wenn die Verkäufe beim ersten Buch schon eine Weile zurückliegen, während beim zweiten Buch erst kürzlich mehrere Exemplare verkauft wurden. Und gleichzeitig ist es möglich, dass beispielsweise der Verkauf von nur einigen wenigen Exemplaren eines Buches seinen Verkaufsrang um mehrere Tausend Stellen nach vorn bringt, um dann in den folgenden Tagen nach und nach wieder abzusacken.
Der Amazon-Verkaufsrang sagt aber auch aus einem anderen Grund sehr wenig über die tatsächlichen Verkaufszahlen eines Buches aus: Amazon ist hierzulande zwar der größte Versandbuchhändler, der Anteil des Versandbuchhandels an den gesamten Umsätzen der Buchbranche lag im Jahr 2009 allerdings nur bei 15,5 Prozent (genaue Zahlen für 2010 wurden noch nicht publiziert, der Anteil dürfte aber auf circa 18 Prozent gestiegen sein). Als größter Versandbuchhändler hat Amazon damit einen Gesamtmarktanteil von weniger als 10 Prozent. Andersherum: Mehr als 90 Prozent der Buchverkäufe werden nicht über den – auch noch äußerst aussageschwachen – Amazon-Verkaufsrang abgebildet.
Übrigens hält der stationäre Sortimentsbuchhandel nach wie vor den größten Marktanteil (52,3 Prozent), an zweiter Stelle steht der Direktvertrieb vom Verlag zum Endkunden (15,5 Prozent). Der Versandbuchhandel steht also erst an dritter Stelle. Die Bedeutung des Amazon-Verkaufsranges wird dadurch nochmals deutlich geschmälert. Wie er sich errechnet, wissen wir allerdings immer noch nicht. Im Montségur Autorenforum, in dem die Frage diskutiert und mit reichlich Spekulationen versehen wird, fanden wir dazu folgende Meinung: „Ich schätze, dass in diese Verkaufsrangzahlen nicht nur Bestellungen einfließen, sondern dass es auch schon Punkte bringt, wenn sich jemand ein Buch ansieht, danach sucht oder dergleichen, und immer auch, wie lange das alles (Bestellung, Ansicht, was auch immer) schon her ist. Und dann wird das mit der Schuhgröße des Programmierers multipliziert und durch den momentanen Luftdruck geteilt. Oder so.“
Bei unserer Recherche haben wir die Website www.novelrank.com gefunden. Auf dieser Website werden, ausgehend vom Amazon-Ranking, Schätzungen über die Menge verkaufter Bücher angestellt. Der Autor der Webseite behauptet, dass die Schätzungen zumindest für Bücher, die sich seltener verkaufen, ziemlich akkurat seien. Wir haben das mit einigen Büchern ausprobiert und können uns dieser Meinung leider nicht anschließen.
Wer als Autor also wissen möchte, wie es um seine Buchverkäufe tatsächlich bestellt ist, wird damit weiterhin auf die Verlagsmeldungen warten oder schlicht und einfach beim Verlag nachfragen müssen.
Übrigens: Im Jahr 2010 waren nur 1,5 Prozent aller online verkauften Bücher E-Books. Der Bundesverband der Deutschen Versandbuchhändler e. V. erwartet für 2011 allerdings einen E-Book-Anteil im Onlinehandel von fünf Prozent.


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